Historie

Heimbach-Weis

Gelegen am nördlichen Rand des Neuwieder Beckens und zum Westerwald hin durch eine Bergkette abgegrenzt, liegt die Gemeinde Heimbach-Weis im Herzen des Mittelrheinlandes.
Mit weit über 7000 Einwohnern ist Heimbach-Weis seit 1970 nicht nur der bevölkerungsreichste sondern auch der flächengrößte Stadtteil der Kreisstadt Neuwied.

In seiner über 900-jährigen Geschichte, ist die Gemeinde Heimbach-Weis jedoch ein Unikum. Durch die seit dem Mittelalter bis weit in die Neuzeit andauernden Rechtsstreitigkeiten um die Hoheit des Kirchspiels Heimbach (die Stadtteile: Heimbach-Weis und Gladbach) kamen dem Ort Rechte zu Gute, welche sonst nur freien Reichsstädten wie Frankfurt vorbehalten waren.
So hätte man Aufgrund dieser besonderen historisch-politischen Verhältnisse, Heimbach-Weis einen "Bauernfreistaat" nennen können.

Vielen mag Heimbach-Weis durch seinen traditionellen Karnevalsumzug bekannt sein. Die Tradition des Karnevals wird seit 1827 mit der Gründung der ersten Karnevalsgesellschaften in Vereinen gepflegt, damit ist der Heimbach-Weiser Karneval der viert älteste im gesamten Rheinland, nach Köln (1823), Koblenz (1824) und Bonn (1826), vor Aachen (1829) und Mainz (1837).

Die Vielzahl der Vereine im Ort sind reger Ausdruck für Geselligkeit und Frohsinn sowie Pflege heimischen Kulturguts und Brauchtums. Dies passt zur Charakterisierung des Heimbach-Weiser Menschenschlags seitens eines preußischen Amtsinspektors aus dem Jahre 1829:

"Die Einwohner sind von raschem, leicht reizbarem, lebhaftem Charakter."

Ansichtskarte von Heimbach (1916)

Aus zwei wird eins

Die beiden Ortskerne von Heimbach und Weis sind im Lauf der Zeit baulich so eng miteinander verschmolzen, daß die ehedem selbständigen Landgemeinden daraus die kommunalpolitischen Konsequenzen zogen und sich am 1. September 1960 zur Gemeinde Heimbach-Weis vereinigten. Zehn Jahre später ging sie als Stadtteil im neuen Neuwied auf. Zusammen mit dem nicht ganz so eng benachbarten Gladbach, das daher selbständige Gemeinde blieb und auch ein gesonderter Stadtteil wurde, hatten Heimbach und Weis jahrhundertelang, vom hohen Mittelalter bis in die Neuzeit, eine Drei-Orte-Einheit gebildet: ein Kirchspielgericht mit dem Pfarrort Heimbach als Mittelpunkt. Aber kein Kirchspiel gewöhnlicher Art, sondern mehr: Aufgrund besonderer historisch-politischer Verhältnisse ein territoriales Unikum, das man einen "Bauernfreistaat" nennen könnte.

Frühgeschichtliche Besiedlung

Zahlreiche Grabhügel im Heimbacher Wald aus der La-Tène-Zeit um 1000 bis 500 v. Chr. weisen auf eine vor- und frühgeschichtliche Besiedlung hin, ebenso die vielleicht aus derselben Zeit herrührende, vielleicht auch jüngere sogenannte "Alte Burg" unterhalb des nach ihr benannten Burghofes (erbaut 1855/57) - eine heute kaum noch zu erkennenden Ringwall-Anlage mit Graben und Trockenmauerwerk als Fliehburg in Kriegszeiten für die umliegenden Siedlungen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Heimbach im Jahre 1093 in einer Stiftung des Pfalzgrafen Heinrich III. an die Abtei Maria Laach. Die Stiftung wird 1191 von Kaiser Heinrich VI. bestätigt. Heimbach gehörte zur Grundherrschaft Bendorf, die außerdem auch Engers umfasste. Auf dem Schönfeld bei Heimbach wurden Gau- und Königsgerichtsverhandlungen abgehalten.

Rechtszersplitterung

Noch im ausgehenden Mittelalter erhielten die Grafen zu Wied wiederholt (1475, 1516, 1521) die kaiserliche Belehnung mit dem Schönfelder Hochgericht, können aber davon kaum Gebrauch machen, da sich im Gebiet von Heimbach viele Herren um die Hoheit stritten: Die Grafen von Wied, die von Isenburg als Grundherren, die Äbte von Rommersdorf, die Grafen von Sayn, die Hammersteiner, das Trierer Simeonsstift und die verschiedenen Heimbacher Ortsadelsgeschlechter. Von dieser Rechts- und Besitzzersplitterung profitierte nur einer: die Gemeinschaft der Heimbacher (und Weiser und Gladbacher) Bauern. Sie verstand es, auszunutzen, dass Heimbach altes Reichsgut gewesen und daher König und Reich immer oberster Gerichtsherr war, und sich ergo als "Freiheimgericht", d.h. als unabhängiges Bauernrecht zu behaupten. Im Verein mit anderen, einer Stadt zukommenden Freiheiten wie Marktrecht und Befestigungsrecht errang Heimbach etwas vom Nimbus einer Freien Reichsstadt im Landformat.

Kurtrierischer Besitz

Im 16. Jahrhundert gingen die Rechte der Abtei Rommersdorf und derer zu Wied an Kurtrier, später verpfändeten auch die Isenburger ihre Heimbacher Rechte, und als letzter trat sein 1606 endgültig seine Vogteirechte in Heimbach an Kurtrier ab. Damit war der Kurfürst-Erzbischof alleiniger Herrscher in Heimbach - Das Ende des "Bauernfreistaates". 1803 gehörte Heimbach zur Bürgermeisterei Engers und damit zunächst zum Landkreis Koblenz, ab 1822 zum Kreis Neuwied. Seit 1970 ist der Doppelort Heimbach-Weis Stadtteil der neuen Stadt Neuwied.





Bürgergemeinschaft Pro Heimbach-Weis e.V.
Langenstück 14
56566 Neuwied

Sascha Fiedler (0170 / 90 59 288)
info@pro-heimbach-weis.de

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